Viele Menschen (auch viele Christen) kennen die 10 Gebote nicht mehr. Nach einer Umfrage der Zeitschrift „Newsweek“ können 49% der Protestanten noch 4 der 10 Gebote nennen. Aber das Problem ist nicht nur, dass viele die Gebote nicht mehr kennen. Es gibt weithin auch eine inhaltliche Entfernung von den Geboten Gottes. Wir leben in einer säkularisierten Gesellschaft, die kaum noch feste Normen und Werte hat. Sind damit die 10 Gebote überholt?
Im Gegenteil! Niemals war die Frage so drängend wie heute: Was gilt noch? Was gilt nicht mehr? Welche Maßstäbe braucht unsere Gesellschaft heute? Wo bekommen wir diese Maßstäbe her? In dieser Zeit der Orientierungslosigkeit haben wir als Christen viel einzubringen.
Wem gelten die 10 Gebote? Schon der erste Satz weist die Richtung: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe!“ (2. Mose 20, 2). Wir sehen: Die 10 Gebote gelten dem erretteten Volk Gottes des Alten und Neuen Testaments. Gott hat sein Volk in die Freiheit geführt und sagt ihm jetzt, wie das Leben in der Freiheit gelingen kann. Damit sind die 10 Gebote die Lebensordnung des Volkes Gottes, auch der Christen des Neuen Testaments! Wenn wir auf die Gebote Gottes achten, dann hören wir auf die Stimme des großen Befreiers, der es gut mit uns meint und möchte, dass unser Leben gelingt.
Dennoch stellt sich aber die Frage: Stehen die Gebote nicht im Alten Testament und sind damit für uns Christen überholt? Jesus Christus bezieht sich an verschiedenen Stellen auf die Gebote und macht deutlich, dass sie auch für uns Christen heute noch Bedeutung haben. Die Reformatoren haben drei wichtige Aufgaben der Gebote herausgestellt:
a) Sie dienen uns als Spiegel und damit der Sündenerkenntnis
b) Sie zeigen uns, wie unser Leben nach Gottes Willen gestaltet werden soll
c) Luther hat noch eine weitere Bedeutung hinzugefügt: Die Gebote dienen als Riegel, also zum Schutz des Guten und zur Begrenzung des Bösen in der Gesellschaft.
Die Gebote sind also vor allem und zuerst Gottes Volk gegeben, das er befreit hat und das nun in der Freiheit leben soll. Aber: Was für Gottes Volk gut ist, ist auch für alle Menschen gut. Deshalb haben die 10 Gebote Eingang gefunden in das Grundgesetz und damit Bedeutung für die Gesetzgebung und Ethik einer Gesellschaft. Für uns Christen ist es wichtig, glaubwürdig nach den Maßstäben Gottes zu leben. Dann werden wir auch Gelegenheit haben, die 10 Gebote in die Grundwertediskussion unserer Gesellschaft einzubringen. Weil sich diese Maßstäbe aber immer weniger von selbst verstehen, müssen sie von uns gelebt und mit Überzeugung gelehrt und vertreten werden!
Deshalb tun wir als FeG Erfurt gut daran, in den nächsten Wochen gemeinsam die 10 Gebote zu studieren. Am 26. August startet eine Predigtreihe über diesen grundlegenden Text des Alten Testaments. Die Hauskreise sind herzlich eingeladen, die Predigten zu diskutieren und nachzubesprechen. Wer noch keinen Hauskreis hat, kann gerne Raimund Puy ansprechen!
Warum es sich lohnt, sich mit den 10 Geboten zu befassen und sie zu achten? Die Antwort lautet: Das Befolgen der Gebote ist nichts anderes als das Hören auf die Stimme des guten Gottes, der uns gerettet hat!
Raimund Puy